
Im Sommer 2026 spiegelte die Umwelt mehr als je das Fehlverhalten der Menschheit. Der «Klimawandel», der richtiger als Erderwärmung bezeichnet werden muss (das Klima verändert sich ja weitgehend nicht aus eigenem Antrieb) wird meist als Grund genannt. Weniger Beachtung findet die falsche oder fehlende Bewirtschaftung unseres Lebensraums.
Die Temperatur in den Meeren steigt Jahr für Jahr. Der Durchschnitt der Temperaturen aller Meere betrug im März 2024 und im August dieses Jahres erstmals mehr als 21 °C [1]. Die Folgen sind bekannt: Abwanderung vieler Arten in – noch – kühlere Meeresgegenden oder Rückgang jener Arten, die nicht schnell genug wegwandern können, mit Auswirkungen auf die marine Nahrungskette – die bisher zur Fähigkeit der Ozeane beitrug, einen Teil des menschgemachten CO2-Überschusses in der Atmosphäre zu binden und die Folgen der Erderwärmung zu puffern. Die Verarmung und Verkehrung der Nahrungskette beeinträchtigt zudem die Qualität des Lebensraums und des Wassers. Wenn die Meer immer wärmer werden, verändern sich auch die Strömungen, mit weitreichenden Folgen für ganze Landregionen – so etwa, wenn der Golfstrom, der warmes Wasser aus dem Süden nach Norden bringt, schwächer wird oder gar ganz versiegen sollte.
Das Mittelmeer ist – wie jedes von den grossen Ozeanen weitgehend abgeschlossene Binnenmehr – von der Erwärmung besonders betroffen. Das verschärft die schon lange bestehende Belastung durch die dichte Zivilisation in den umliegenden Ländern und durch die Übernutzung in Fischerei und Schifffahrt. Die Erwärmung macht immer mehr heimischen Arten von Wassertieren und Wasserpflanzen zu schaffen, vertreibt oder dezimiert sie, während sie das Mittelmeer für einwandernde Arten attraktiv macht – etwa für den Hasenkopf-Kugelfisch aus dem Roten Meer, der in seinem neuen Lebensraum keine natürlichen Feinde hat und mit seinen scharfen Zähnen auch Fischernetze beschädigt; weggefangen soll er von den Fischern nun werden, aber verkaufen können sie ihn nicht, weil er hochgiftig ist [2].

Trockene Flüsse, gefährdetes Grundwasser
Wenn Niederschläge ausbleiben und gleichzeitig Hitzeperioden zunehmen, sinkt der Wasserstand in den Gewässern, während die Temperaturen und der Schadstoffgehalt [3] im verbliebenen Wasser steigen – mit tödlichen Folgen für Millionen von Fischen und anderen Wassertieren, abgesehen von jenen, die Freiwillige abfischen und vorübergehen in Gewässer verbringen, die noch nicht trocken gefallen sind – aber wohin werden sie die geretteten Fische transportieren, wenn es in künftigen Trockenzeiten an immer weniger Stellen noch Wasser hat? Denn sind mit steigenden Temperaturen die Gletscher dereinst verschwunden, fehlt auch deren Schmelzwasser…
In solchen Zeiten wird auch die Energie knapper, Flusskraftwerke schwächeln und flussgekühlte Atomkraftwerke müssen den Betrieb einstellen, und das knappe Wasser nicht noch zusätzlich zu erhitzen. In solchen Zeiten wäre man froh, mehr in die Sonnenenergie investiert zu haben…
Noch kann man Grundwasser pumpen; aber auch dieses Reservoir (mehr Wasser als alle Seen und Flüsse zusammen) ist nicht unerschöpflich, der Pegelstand sinkt. Zudem betrifft die Erwärmung auch das Grundwasser und die in ihm lebenden Kleintiere, die für gute Wasserqualität sorgen. Es fehlen ein umfassender Plan und vor allem der politische Wille zum Schutz des Wassers auf und unter der Erde und zur Begrünung der Städte, damit sie im Sommer nicht zu Hitzehöllen werden. Und es fehlen vor allem Plan und Wille, nicht nur die Folgen der Erderwärmung technisch-punktuell zu bekämpfen, sondern deren Ursachen: das falsche Verhalten der Gesellschaft insgesamt [4].
Wenn die Flüsse weniger Wasser führen, dringt an den Küsten Salzwasser in die Flüsse und versalzt die Böden und das übernutzte und dadurch abgesenkte Grundwasser. In Holland zum Beispiel sind die Süsswasserreserven akut bedroht, man spricht bereits über den Ausbau der Deiche und den Bau gigantischer neuer Deiche weiter draussen im Meer [5].

Holzindustriewälder: wie Zunder
Die verheerenden Waldbrände in den Landes südlich von Bordeaux im vergangenen Sommer wurden nicht allein durch die Erderwärmung und die Gleichzeitigkeit von Höchsttemperaturen und Trockenheit verursacht. Begünstigt und beschleunigt wurden die Brände durch die bei Touristen beliebte Strandkiefer-Monokultur. Diese Bäume wurden im einst grossteils sumpfigen Küstenlandstrich auf Befehl von Napoleon III als Plantagen gepflanzt, um den Bedarf an Holz für Marine, Armee und Baugewerbe zu decken [6]. Doch ein Teil der Landes war schon ursprünglich von Mischwäldern bestanden. Die Monokultur mit Kiefern wurde auch und zuerst mit der Absicht angelegt, die Dünen an der Küste gegen zu befestigen und so die Dörfer vor der Erosion zu schützen. Napoleons Industriewaldwahn kam erst danach [7].
Wie auch immer: Menschen haben den Zunder, der diesen Sommer so menetekelhaft in Flammen und Rauch aufgegangen ist, selber gelegt. Werden jetzt die Lehren daraus gezogen? Die aktuelle Debatte über die Wiederaufforstung lässt eher daran zweifeln; weil die Holzindustrie längst zu einem wichtigen Wirtschaftskorridor in der Region geworden ist, werden wohl wieder Strandkiefern angebaut, allenfalls mit einem besseren Waldmanagement, das Brände in ihrer Ausbreitung behindern soll [8].
Ganz ähnlich im Karst an der oberen Adria. Der ursprüngliche Mischwald auf den Kalkgebirgen im Friaul wurde einst, wie in anderen Regionen Italiens, von den Römern zum Bau von Schiffen abgeholzt; zurück blieb ein niedriger Laubmischwald aus Hopfenbuche, Esche, Eiche, Ahorn und Essigbaum. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Karstwald im grossen Stil mit Schwarzkiefern aufgeforstet [9], wobei auch hier die industrielle Nachfrage nach Holz entscheidend gewesen sein dürfte. Nun brennt es auf dem Karst praktisch jeden Sommer, und dieses Jahr wüteten die Brände besonders schlimm und lang. Die Diskussion über die Wiederaufforstung ist wie nach jedem grösseren Brandjahr heftig, führt aber nie wirklich zum Ziel, weil die langfristig aussichtsreichsten Massnahmen wie etwa Bewirtschaftung der Wälder mit Ziegen und Eseln, Ersatz der Kiefern durch Laubbäume, Freihaltung von Unterbruchflächen, Entfernung von leicht entzündlichem Unterholz und stete Kontrollen [10] in der kurzfristigen Vorstellungswelt der Politiker mehr kosten als die jährlichen Brandschäden…
Vom Wald zurück zum Meer
Interessant ist übrigens, dass sowohl der friulanische Karst wie die westfranzösischen Landes in der Nachbarschaft von Meeren liegen, die wie jedes grosse Gewässer eine ausgleichende Wirkung auf die Temperaturen an Land haben, im Sommer kühlend, im Winter wärmend. Doch kochende Meere können einer glühenden Landschaft nicht mehr helfen…
Quellen:
[1] «World’s oceans hit highest temperature on record as El Niño grows»
[2] «Invasiver und giftiger Fisch gefährdet Biodiversität»
[3] «Wegen Dürre: Mehr Schadstoffe in Gewässern»
[4] «Gletscher weg, Flüsse leer: Was auf Österreich zukommt»
[5] «Trockenheit in den Niederlanden: Meerwasser verdrängt Süsswasser»
[6] «Das fatale Erbe der Kiefernwälder von Bordeaux»
[7]«Forêt des landes de Gascogne»
[8] «So sollen Frankreichs Wälder nach den Bränden aufgeforstet werden»
[9] «Carso classico»
[10] «How Europe can prevent a repeat of this year’s devastating wildfires»

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