Auch Fisch-Labels haben Lücken. Selbst seriöse Labels für nachhaltige Fischerei erfüllen ihre eigenen Ansprüche nur teilweise. Zu diesem Schluss kam eine 2012 in «Marine Policy» veröffentlichte Studie des international angesehenen Fischereibiologen Rainer Froese vom Kieler Zentrum für Ozeanforschung Geomar und des u. a. an der Uni Kiel lehrenden Seerechtsexperten Alexander Proelss.
Im Osten der Schweiz, im St. Galler Rheintal, entstand 2008 «die grösste Indoor-Fischzuchtanlage der Welt». So sagte es deren Besitzer, der saarländische Industrielle Hans Raab, der mit seinem HaRa-Fensterreinigungssystem Millionen verdient hatte. Die Fischfabrik «Melander» hätte im Endausbau mit 1800 Tonnen Filets und Würsten aus Afrikanischen Welsen pro Jahr weit mehr produziert als alle andern Schweizer Fischzüchter zusammen. Es blieb beim Konjunktiv.
Der ARD-Dokufilm «Die Pangasius-Lüge» [1] hatte im Jahr 2011 an sich nichts Neues gebracht, aber für ein breiteres Publikum vielleicht erstmals Einblicke vor Ort, in eine rasant gewachsene und hoch problematische Fischzuchtindustrie in Vietnam: Null Tierschutz, kaum Umweltschutz, lausig bezahlte Arbeiter/innen und gesundheitliche Gefahren für die Verbraucher. Doch warum hatten ARD und WWF nicht schon viel früher die breite Öffentlichkeit gesucht, um über diese Missstände zu berichten?
Mit einer Inseratenkampagne ging im Februar 2011 die «Global Alliance Against Industrial Aquaculture» (GAAIA) gegen industrielle Fischzuchten vor. Im Stil der Warnungen auf Zigarettenpackungen machte sie auf gesundheitliche Risiken des Konsums von Zuchtlachs aufmerksam. «Lachszuchten töten rund um den Globus und sollten daher eine Gesundheitswarnung tragen», sagte der schottische Aktivist und GAAIA-Korridinator Don Staniford. Er agitierte bereits seit Jahren gegen die industrielle Lachszucht und hatte sich deswegen auch schon happige Gerichtsverfahren eingehandelt.
Die Inserate wurden mit Spenden aus dem Publikum, von betroffenen Fischern und Indianernationen bezahlt. Als Kampagne gegen eine Industrie, die ihrerseits nicht zimperlich beim Einsatz von Werbemitteln ist. Allein die westkanadische British Columbia Salmon Farmers Association verfügte damals laut Staniford über ein jährliches Werbebudget von 1.5 Mio. Dollar.
Zuerst publiziert am 06.02.2011 auf dem Blog von fair-fish (nicht mehr online), redigiert am 06.02.2026