Das Massenluxusproblem

Collage: Billo (unter Verwendung einer eigenen und einer unbekannten Foto und einer Zeichnung von Kasia Jackowska)

Was haben Dreikönigskuchen, Lachs und Kreuzfahrten gemeinsam? Den Wunsch, auch einmal zu denen da oben zu gehören. Mit üblen Folgen.

Wer möchte nicht einmal König sein und ohne Rücksichten befehlen und geniessen können? Beim massenluxuriös mitbedingten Brauch des Dreikönigskuchen halten sich die Folgen in Grenzen, es ist schlimmstenfalls mit familiäre Streitigkeiten um Gerechtigkeit, mit kotzbrockigem Verhalten des Gewinners und Magenverstimmungn zu rechnen. Ganz anders, wenn jemand aus eigener Unverfrorenheit beschliesst, ab sofort als König über die Welt zu herrschen, und mangels Widerstand nicht nur für einen Tag, sondern prinzipiell für immer…

Bei Lachs sind die alltäglichen Folgen weit übler, vor allem für die Lachse selbst. Weil sie zu einem von immer mehr Menschen begehrten Luxusprodukt wurden, reicht der Fang dieser überfischten Art schon lange nicht mehr aus. Was als Lachs auf den Tisch kommt, stammt fast immer aus Zucht. Dabei eignen sich Lachse – wie die meisten anderen Fischarten – überhaupt nicht für ein Leben in Gefangenschaft, bei dem sie sich wohl fühlen könnten [1]. Was als Massenware Lachs auf dem Teller liegt, ist ein von Stresshormonen und Medikamentenrückständen belasteter Abklatsch von Luxus. Wohl bekomm’s.


Kreuzfahren bis zum Abwinken

Ganz ähnlich verhält es sich mit Kreuzfahrten, einst ein Vergnügen für Betuchte, heute ein langweiliger Zeitvertreib für Massentouristen, industriell unterhaltsam gemacht mit Buffets, Drinks und Veranstaltungen. Die Folge für die Gäste halten sich in Grenzen. Die Kosten für den fragwürdigen Spass bezahlen die Heerscharen von schäbig bezahlten Bediensteten aus aller Welt, die eh schon mit viel zu viel Schifffahrt belasteten Meere (90 Prozent des Welthandels wird verschifft), und die Städte mit Werften. Zum Beispiel Monfalcone in Nordostitalien, wo vor allem Kreuzfahrtschiffe gebaut werden. Ein Drittel der 30’000 Einwohner sind Ausländer, die Hälfte von ihnen stammt aus Bangladesh; denn die Werft importiert Menschen, die froh sind, für wenig Geld arbeiten zu dürfen. Rechte Politiker in der Stadt sind dankbar für diese Überfremdung, weil sie ihnen Munition für rassistische Kampagnen liefert, während linke Politiker sich für Solidarität mit den Muslimen einsetzen, nicht aber für eine nachhaltige Industriepolitik von Stadt und Republik, welcher die Werft mehrheitlich gehört. Dass der Kreuzfahrt-Boom irgendwann zu Ende sein wird, wollte niemand hören, doch nun geht die Angst um, dass im wahnwitzigen Rennen um noch billiger produzierte Schiffe für Billigtouristen die Chinesen den Markt mit Schiffen abräumen, die von Robotern hergestellt werden.


Was ist Luxus? 

Luxus ist das, was du dir als etwas Besonderes an einem besonderen Tag gönnst – und im Alltag ein zufriedenes Leben, in dem du all das gar nicht haben musst, was es angeblich braucht, um glücklich zu sein.


Quellen:

[1] https://blog.think.fish/archive/1035 

[2] https://blog.billo.ch/archiv/4229


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