
Rechts: Hummer lebend transportiert und gelagert (Wild Ocean Photography)
Der Lebendimport von Hummern ist mit viel Tierleid verbunden. Wiederholt hatten fair-fish und weitere Schweizer Akteure ein Verbot dieser Praxis gefordert, bisher erfolglos. Wer Hummer verspeist, isst in aller Regel lange und grosse Qualen mit.
Hummer sind faszinierende Tiere. Sie bewohnen die Küstenregionen Europas und Nordamerikas und könnten ein Lebensalter von bis zu 100 Jahren erreichen. Die einzelgängerischen Meerestiere verfügen über ein breites Verhaltensrepertoire und ein komplexes Nervensystem. Neuere Experimente zeigen, dass auch Krebstiere Schmerzen bewusst wahrnehmen. Sie können sich an Schmerzsituationen erinnern und versuchen, diesen auszuweichen. Krebstiere sind leidensfähig – trotz aller Unterschiede im Körperbau und im Nervensystem unterscheiden sie sich darin nicht wesentlich von Wirbeltieren.
Verbot des Lebensimports bisher abgelehnt
Jedes Jahr werden Tausende lebender Hummer zu Speisezwecken in die Schweiz eingeführt; für 2016 schätzte fair-fish die Zahl auf 127’000 Tiere. Sie wurden oft schon lange vor dem Konsum gefangen und anschliessend ohne Futter und Wasser und in kleinen Boxen ohne Rückzugs- und Bewegungsmöglichkeiten in Kühlhallen zwischengelagert und so transportiert.
fair-fish setzte sich seit Jahren für ein Importverbot lebender Hummer ein. Im Jahr 2015 unterstüzten sogar die Kantonstierärzte [1] diese Forderung. Und Ende jenes Jahres forderte Nationalrätin Maya Graf [2] mit einer Motion ein Importverbot für lebende Hummer zu Speisezwecken. Miglieder von fair-fish unterstützten das Anliegen 2016 mit einer Briefaktion an Bundesrat Alain Berset. Doch Bundesrat und Parlament lehnten den Vorstoss 2017 leider ab.
Lebendimport mit ungenügenden Auflagen
Seit 2018 schreibt die Schweizer Tierschutzverordnung wenigstens vor, dass lebende Krebse «während des Transports ausreichend feucht zu halten» sind und dass sie nicht «direkt auf Eis oder in Eiswasser» gelagert werden dürfen. Krebse dürfen zudem nur unter elektrischer Betäubung getötet werden, und für gewerbsmässigen Umgang mit Krebsen (Fang, Haltung, Handel, Tötung) ist eine Ausbildung gefordert.
Eine Verbesserung auf dem Papier. Für die Elektrobetäubung braucht es teure Geräte, deren sachgerechte Benutzung schwierig zu überprüfen ist. Zudem zeigte eine kaum beantwortete Umfrage bei Handel und Gastronomie Ende 2018, dass sich die allermeisten Anbieter nicht in ihre Karten beim Umgang mit Krebsen schauen lassen wollen; das verheisst wenig Gutes.
Solange Hummer lebend importiert werden, bleibt auch das Leiden bei Transport und Lagerung bestehen: qualvolle, wochen- bis monatelange Fesselung der Scheren, die Schäden an Muskulatur und Nerven verursacht.
Besser auf Hummer verzichten
Der Genuss von Hummer ist zwar auch ohne Lebendimport möglich, denn die viele Supermärkte importieren heute gefrorene Hummer. Durch das schnelle Gefrieren gibt es keinen Qualitätsverlust. Das Tiefkühlangebot ist aber keine sichere Alternative; denn es sagt nichts darüber aus, wie rasch nach dem Fang und auf welche Weise die Tiere getötet wurden. Oft werden die begehrten Hummerteile, Schwanz und Scheren, dem lebenden Tier einfach abgerissen und tiefgekühlt.
Fazit: Hände weg vom Hummern, Langusten und anderen Krebstieren, solange keine Garantie für kurze Fangdauer und für rasche und schonende Betäubung und Tötung besteht. Kein Genuss kann das Leiden der Tiere rechtfertigen.
Zuerst publiziert am 30.12.20221 im Blog von fair-fish (nicht mehr erreichbar), hier aktualisiert
Quellen:
[1] Fernsehen SRF, Sendung Kassensturz, 17.08.2015
[2] Motion von Nationalrätin Graf, 16.09.2015
Hintergrundinformationen zu Hummer:
Erna Graff Stiftung: Hummer im Tierschutz
fish-facts 9 (2008): Hummer und Krebse. Leiden für Genuss?

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