Aus für Swiss Shrimp

Hightech-Aquakultur im geschlossenen Wasserkreislauf (RAS, recirculation aquaculture system) erfordert nicht nur viel Kapital zur Erstellung der Anlage, sondern verursacht auch happige laufende Kosten für hochqualifiziertes Personal und Energie (Wärme, Pumpen, Filter); gering sind nur die Wasserkosten. Schon mancher RAS-Betrieb sah sich deswegen schon zum Aufgeben gezwungen.

Selbst für technisch absolut perfekte RAS-Anlagen kann der Moment kommen, wo finanziell nichts mehr geht. Das neueste Beispiel ist der Betrieb von Swiss Shrimps in der Schweizer Gemeinde Rheinfelden, gespeist mit Abwärme aus den Rheinfelder Salinen.

2008 begannen ein paar Quereinsteiger, die Mast von Pazifischen Weissfussgarnelen (Litopenaeus vannamei) in einem Pilotprojekt zu erproben. Vannamei ist die weltweit am häufigsten gezüchtete Shrimp-Spezies und auch auf dem Schweizer Markt sehr gefragt. 2016 begann der Bau der kommerzielle Anlage, 2018 wurde sie in Betrieb genommen. Die Initianten engagierten sich von Anfang für einen möglichst geringen ökologischen Fussabdruck, und sie waren offen für meine Vorschläge von Mindestmassnahmen zugunsten der Tiere. Swiss Shrimp gewann in der Folge grosses Medieninteresse und etliche Preise.

Die finanziellen Probleme jedoch wurde die Firma nicht los. Eine Kapitalerhöhung Mitte 2024 brachte nicht die erhoffte Erleichterung. Vor kurzem wurde bekannt, dass Swiss Shrimps um Nachlassstundung ersuchen musste. Steigende Energiekosten und der Wegfall einiger Grosskunden in der Gastronomie haben dem Betrieb das Genick gebrochen. Schade für den Pioniergeist und die gute Anlage. Die Garnelen, die jetzt noch in der Anlage ihrem Ende entgegen sehen, dürften die letzten gewesen sein, die hier in sauberem Wasser und unter kundiger Aufsicht schwimmen. Ihre Artgenossen würden sowieso eine natürliche Umgebung vorziehen; allerdings verzehrt «der Markt» weit mehr Garnelen, als in der Wildnis gefangen werden können.

See also: Is there any justifiable way of shrimp farming?


Zuerst publiziert am 19.03.2025 auf Facebook


Quellen:

https://fischmagazin.de/willkommen-seriennummer-112721.htm

https://www.swissshrimp.ch/prod/crm/unternehmen/story/ (Website inzwischen nicht mehr erreichbar)


Titelfoto:
Blick in die Halle von Swiss Shrimp (Foto zvg)


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