
Auch Fisch-Labels haben Lücken. Selbst seriöse Labels für nachhaltige Fischerei erfüllen ihre eigenen Ansprüche nur teilweise. Zu diesem Schluss kam eine 2012 in «Marine Policy» veröffentlichte Studie des international angesehenen Fischereibiologen Rainer Froese vom Kieler Zentrum für Ozeanforschung Geomar und des u. a. an der Uni Kiel lehrenden Seerechtsexperten Alexander Proelss.
Erstmals wurden in dieser Studie [1] Labels nicht aufgrund ihrer Richtlinien, sondern anhand ihrer tatsächlichen Leistung verglichen. Beurteilt wird nicht nur der Zustand eines zertifizierten Fischbestands (z.B. «überfischt»), sondern zugleich die Folgen der aktuellen Befischung dieses Bestands (z. B. «in Überfischung»).
Das vom WWF geförderte Label MSC schneidet dabei erstaunlich bescheiden ab, während das einst als «Billig-Konkurrenz» belächelte Label «Friend of the Sea» (FOS) eine deutlich bessere Leistung vorweisen kann.
«Es lässt aber aufhorchen, dass FOS-Direktor Paolo Bray sagte, Froeses Berechnungen seien ‚die gründlichsten, die je in dieser Art gemacht wurden‘. Bray entzog den Fischbeständen sein Siegel, die von Froese als nicht nachhaltig bewertet wurden», schrieb die Rheinische Post am 22.05.2012). Statt einer ähnlich einsichtigen Reaktion tat sich MSC bisher nur mit Kritik an Froeses Studie hervor…
Die Studie hatte einigen Staub aufgewirbelt. Ein Factsheet von fair-fish [2] ging näher darauf und auf die Reaktionen von MSC und FOS ein und stellte die Diskussion in den grösseren Zusammenhang. fair-fish begrüsste die Studie, weil sie eine Lücke aufzeige, die geschlossen werden müsse, wenn das Vertrauen der Verbraucher in Labels erhalten bleiben soll. Allerdings ortete fair-fish weitere Lücken: Kein Fischerei-Label steht bisher für tierschonenden Fang oder für fairen Handel, obschon beide Themen bei Verbrauchern an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus müssten Label in ihrer Kommunikation dafür sorgen, dass sie nicht zum Feigenblatt für einen viel zu hohen Fischkonsum werden.
Ursprünglich publiziert am 07.05.20212 von Billo Heinzpeter Studer auf der Website von fair-fish.ch (nicht mehr online)
Quellen:
[1] Rainer Froese und Alexander Proelss (2012): ’Evaluation and Legal Assessment of Certified Seafood’, Marine Policy, 36, pp. 1284-1289.
[2] Billo Heinzpeter Studer (2012): fair-fish-Factsheet zu MSC und FOS

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