
Meere, Seen und Flüsse könnten die Menschheit mit genügend Fisch versorgen. Doch dieser natürliche Reichtum wird durch viele Fischereien noch immer so rücksichtslos ausgebeutet, dass sein Fortbestand in Frage steht. Es braucht Vereinbarungen über nachhaltiges Fischen.
Gegen die Erkenntnisse von Meeresbiologen (solcher jedenfalls, die nicht von der Branche gekauft sind), liess sich das Branchenportal «Seafood News» [1] im Januar 2011 zur Behauptung hinreissen, der Überfluss in den Meeren sei zurück. Dies sei der Zusammenarbeit zwischen Meeresschützern und Handelsketten zu verdanken.
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Fangerträge stagnieren seit dreissig Jahren
Anlass für den erstaunlichen Jubelruf war eine Studie, die der von Meeresbiologen formulierten These mit Skepsis begegnete, laut welcher die Fischerei immer tiefer in die marine Nahrungskette vordringe («fishing down the food web» [2]). Selbst wenn diese These sich einst als falsch erweisen sollte, liess sich im Jahr 2011 nicht im Ernst behaupten, dass die Fangerträge höher ausgefallen seien als zehn Jahre zuvor. Denn nach einer steilen Zunahme der weltweiten Fänge in den ersten vier Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg verharrt die jährliche Fangmenge auf hohem Niveau praktisch unverändert – bis heute. Das zeigen die Daten der UNO-Organisation für Landwirtschaft und Ernährung (FAO) [3].
Viel mehr Fisch, wenn anständig gefangen
Wenn rücksichtsvoll gefischt und verwertet würde, könnten die Fischer bis zu 60 Prozent mehr Fisch anlanden als heute [4]. Das setzt aber voraus, dass die übernutzten Fischbestände sich zuerst komplett erholen können. Hierfür muss der Fischereidruck für ein paar Jahre halbiert werden – heisst also auch: vorübergehend nur halb so viel Fisch essen [5].
Ursprünglich publiziert am 30.01.2011 auf dem Blog von fair-fish (nicht mehr online), hieraktualisiert am 30.01.2026
Quellen:
[1] https://www.seafoodnews.com (Artikel online nicht mehr auffindbar)
[2] https://www.science.org/doi/10.1126/science.282.5393.1383a
[3] https://www.fao.org/fishery/statistics-query/en/global_production/global_production_quantity
[4] Rainer Froese, Fischerei oder Aquakultur?
[5] Welchen Fisch essen? Am besten weniger! und Es kommt nicht drauf an, welchen Fisch du isst, sondern wie viel Fisch insgesamt

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