
Ja bravo! Genau das war zu erwarten…
Jahrelang empfahl der Starkoch und «Fish Fighter» Hugh Fearnley-Whittingstall, die vermeintlich reichlich vorhandenen Makrelen aufs Menü zu setzen – und jetzt muss er im Gegenteil empfehlen, auf Makrelen zu verzichten…
Ich hab immer vor Empfehlungen gewarnt, die eine Fischart durch eine andere zu ersetzen. Ich habe das vor 13 Jahren auf der Facebook-Seite von fair-fish wiederholt und sag es erneut: Die ganzen Fisch-Listen und Labels [1] nützen nichts, so lange eine weiter zunehmende Zahl von Menschen glaubt, immer mehr Fisch essen zu können.
Der globale Konsum liegt heute bei einer Fischmahlzeit pro Person. Nachhaltig verfügbar wären knapp zwei Fischmahlzeiten pro Monat. Zugunsten jener Völker im Weltsüden, die auf Fisch als Proteinversorgung angewiesen sind, sollten wir in den Industrieländern unseren Konsum auf höchstens eine Fischmahlzeit pro Monat beschränken – jedenfalls so lange, bis sich die erschöpften Fischbestände dank vorübergehend reduzierter Fischerei wieder ganz erholt haben. [2]
Und nein, die Aquakultur wird es nicht richten, sie hat den Gipfel ihres enormen Wachstums längst überschritten. [3]
Quellen:
[1] «Fischlabels oder das Gesetz der Sättigung»
[2] «Edible Fish Consumption» (Seiten 18 f.)
[3] «Kann die Aquakultur liefern?», in fish-facts 41, Seite 10
Zuerst publiziert am 22.01.2013 auf Facebook
Ausgewählte Reaktionen auf Facebook:
René: Wieso vergisst man immer, dass es Süsswasserfische gibt?
Maria: Zum Glück vergisst man die Süsswasserfische! Im Luganersee sind die Fische schon längst in die Bratpfanne gelandet.
Sasha: René, das mit den Süsswasserfischen ist zumindest hier bei mir in Montenegro ein Problem. Zu 80% kommen die aus Zuchtbecken. Und drei mal darfst du raten, was die als Futter bekommen – richtig: Fischkonzentrat aus Meeresfischen, gefangen vor der chilenischen Küste. Ein Bumerang.
Stefan: Am Bodensee jammern die Fischer, weil das Wasser inzwischen zu sauber ist, um genügend Fische zu ernähren.
Sasha: Die Fischer im Bodensee jammern deswegen, weil sie nicht mehr die Fische fangen, welche jahrzehntelang ausgesetzt wurden (verschiedene Karpfenartige z. B.) und eigentlich dort nichts zu suchen haben. Wasser kann nicht zu sauber sein – das hört man immer wieder – ist aber Unfug. Dem Bodenseefelchen wird sauberes Wasser nichts ausmachen. Im Gegenteil. Nur leider ist dieser schwer zu fangende Freiwasserfisch zurückgedrängt worden und nicht ganz so rentabel….
Billo: Wenn du nur inländische Süsswasserfische essen willst, René, und den andern Einwohner/innen der Schweiz das gleiche Recht zustehst, dann gibt es genau 2 Fischmahlzeiten pro Jahr für dich – denn: 95% des CH-Fischkonsums ist importiert…
Stefan, die jammern auf hohem Niveau: Bis in die 1950er Jahre hatten die Schweizer Seen auch nicht mehr Fische, erst danach, als die Hypertrophierung dank Phoshaten aus Landwirtschaft und Waschmitteln kam und noch keine biologische Klärstufe eingerichtet worden war… Jetzt sind wir wieder auf Normalzustand.
René: Ich kaufe Fische nur beim Fischer am Greifensee, hier bei mir um die Ecke, gute Qualität ,und über Fischmangel kann sich der auch nicht beklagen.
Billo: Nimm einfach mal die Bevölkerung im Einzugsgebiet des Greifensees, multipliziere deren Zahl mit deinem Fischkonsum und frag dann deinen Fischer (Grüsse von mir!), ob er das alles liefern könnte?
René: Eine Rechnung, die nun wirklich nicht gemacht werden kann, wenn man alle zwei Wochen Fisch isst. Da gäbe es noch viele solche Rechnungen ohne Hand und Fuss. Ich esse keinen importierten Fisch.
Billo: Wenn Du alle zwei Wochen Fisch aus einheimischen Seen essen willst, René, dann sind das 26 Fischmahlzeiten im Jahr, also 13x mehr als so viel, wie jedem Einwohner der Schweiz zusteht, der den gleichen Heiligenschein beanspruchen möchte wie du. Solche Rechnungen sind sogar sehr sinnvoll, sie zeigen den Fussabdruck, den man selber hinterlässt, im Vergleich zu dem, was für alle vorhanden ist.
Irmy: Meiner Meinung nach kann man schon nicht wirklich so ’nachrechnen‘, ich find auch, dass Personen, die in der Nähe eines wie auch gearteten Fischgewässers zuhause sind, eher solche Mahlzeiten verspeisen sollten als solche, die erst durch mühsame Lieferungen über weite Strecken dazu gelangen. Unterstützung der einfachen Fischer vor Ort ist eine gute Sache. Als Anwohner fühl ich mich dazu berechtigt und sogar wohl dabei, da ich Transporten von irgendwo her keinen Vorschub leist.
Tatsächlich gibt es genug Leute, die keinen Fisch mögen und gar nicht auf ihren Speiseplan setzen. Und ja, Fussabdrücke entstehen durch tausenderlei Dinge.
Ich finds in jedem Zusammenhang vorrangig, aus der Umgebung zu kaufen (auch andere Lebensmittel etc.) und industrielle Grossgschichten links liegen zu lassen. So gesehen würd ich das ‚1 mal pro Monat Fisch‘ nur für Leute gelten lassen, die tatsächlich ausschliesslich Importe kaufen.
Billo: Es gibt pro Mensch genau 20 Fischmahlzeiten im Jahr, das kann sich jedes Kind ausrechnen. Daher für Binnenländer die Empfehlung: max 1x im Monat – damit für die am Meer etwas mehr bleibt.
Natürlich haben René und Irmy auch recht; aber warum sollen ausgerechnet die klarsten Rechnungen nicht angestellt werden?
Wir sind zu viele von uns auf diesem Planeten, das ist klar. Nur wird sich das nicht so rasch ändern. Also ist sinnvolles, sowohl ökologisch wie sozial verträgliches Handeln gefragt. Lokal Einkaufen ist eine der Leitlinien hierzu. Aber die Maxime «kein Meerfisch» halte ich für wenig zielführend, solange nicht zugleich von der Beschränkung der Konsummenge gesprochen wird. Denn Fischzuchten sind nun echt nicht die Lösung des Problems, da schiessen wir uns nur ins Knie.

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