
Nicht nur Erdöl und Erdgas werden jetzt schlagartig teurer, auch die Preise für weltweit verschifftes Fischmehl zur Fütterung von Zuchtfischen werden steigen. Aber nicht in erster Linie wegen des Energiebedarfs für Produktion und Transport, sondern weil das «Rohmaterial» immer knapper wird. Die Fischzuchtindustrie stösst an Grenzen.
Fischmehl wird aus der industrellen Verarbeitung von kleinen Fischarten gewonnen, die entlang fischreicher Küsten ärmerer Länder in grossen Mengen gefangen werden. Die Sardellen, Sardinen, Makrelen fehlen danach in der marinen Nahrungskette für grössere Fischarten – aber auch für die lokale Bevölkerung, die sich von den billigeren kleinen Fischen gut ernähren konnte [1].
Wenn die Fischbestände über die eigene Reproduktion hinaus geplündert werden, sinkt die Fangmenge, also steigt der Preis für ein knapper werdendes Gut.

Dank industrieller Fischerei konnten grosse Mengen von kleinen Arten für die Fischmehlherstellung gewonnen werden, dementsprechend tief waren die Preise bis Ende der 1990er Jahre. Danach stiegen sie und bleiben sieiher trotz Schwanklungen auf hohem Niveau.
Grafik: indexmundi.com, Preise in US $ per Tonne
Vor gut zehn Jahren sahen sich die Fischzüchter in China, dem weltgrössten Aquakulturprodutzenten, mit stark gestiegenen Preisen für ihr Fischfutter konfrontiert, das 2014 um mehr als 50 Prozent teurer wurde. Grund: Die zur Herstellung von Fischmehl und Fischöl gefangenen Fischbestände werden immer knapper. Ja ja, wer hätte das gedacht…!

55 Prozent des Fischmehls und Fischöls fürs Fischfutter bezieht China aus dem Meer vor Peru, wo riesige Sardellenschwärme heimisch sind – oder muss man schon sagen: heimisch waren? Das peruanische Fischereiministerium hatte damals einen Teil der Sardellenfischerei vorübergehend geschlossen, um den abnehmenden Bestand nicht noch mehr zu gefährden.
Die übrigen 45 Prozent Fischmehl und Fischöl für die Fütterung der chinesichen Zuchtfische stammten vor zehn Jahren von den schon arg leergeräumten Küsten Chinas. Inzwischen holt sich China den Rohstoff vermehrt vor den Küsten Westafrikas, mit üblen Folgen für die dortigen Fischer und die Bevölkerung. [2]
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Fischmehl aus Fischschlachtabfällen?
Rund ein Drittel aller Speisefische der Welt werden in China gewonnen, vor allem in der Aquakultur. Eine Studie von chinesischen Autoren an einer US-Universität zeichnete die globalen Folgen der zunehmenden Versorgung dieser Fischfarmen mit Fischmehl, das aus Fängen entlang der chinesischen Küsten, zunehmend aber auch aus andern Erdteilen stammt. China könnte aber einen grundlegenden Wandel auch weltweit einleiten, wenn es die Verarbeitungsabfälle aus den Fischfabriken zu Fischmehl verrabeiten würde. Die Abfälle machen je nach Fischart und Grösse 30-70 Prozent des Fischgewichts aus, so dass die Rezyklierung zwei Drittel des Fischmehls aus Fischerei ersetzen könnte.
fair-fish propagierte diese Lösung seit langem [3], bisher leider erfolglos. Wenn China der Studie folgen würde, hätte dies Einfluss auf die globale Fischzuchtindustrie. Wenn…
Fischzucht stösst an Grenzen – weniger wäre mehr
Zwar bemüht sich die Auqakulturindustrie seit langem und mit gewissem Erfolg [4], den Fischmehl-Anteil im Futter zu reduzieren. Weil aber die Menge der gezüchteten Fische weiterhin zunimmt [5], steigt die Nachfrage nach Küstengebieten für die Fischzucht und für Fischmehl kontinuierlich. Die Fischzuchtindustrie stösst damit an Grenzen, der Peak ihres Wachstums ist längst überschritten [6].
Die Gewinnung von Fischmehl aus Schlachtabfällen der Fischverarbeitung ist zwar eine Alternative, auch ihr sind aber logistische und mengenmässige Grenzen gesetzt.
Klüger wär’s allemal, die Fischzucht auf Friedfischarten zu konzentrieren, die von ihrer Biologie her kein Fischmehl benötigen (und die sich nebenbei auch eher wohl fühlen können in Gefangenschaft) [7] – und vor allem, den Fischkonsum zu begrenzen [8].
Quellen:
[1] siehe fish-facts 28 (2019): Stammt das Futter für den Zuchtfisch auf Deinem Teller aus Fisch, der jetzt in Afrika fehlt?
[2] Soweit publiziert am 16.01.2015 auf der Facebook-Seite von fair-fish (nicht mehr auffindbar)
[3] Zur Forderung des Fischschlachtabfall-Rezyklings siehe die fair-fish-Richtlinien für die Fischzucht, Punkt 6:
[4] Albert G.J. Tacon and Marc Metian (2008): Global overview on the use of fish meal and fish oil in industrially compounded aquafeeds: Trends and future prospects
[5] FAO (2024): The State of World Fisheries and Aquaculture, Table 1
[6] fish-facts 41, Seite 10: Kann die Aquakultur liefern?
[7] think.fish factsheet #5 (2024): Fish welfare: What should we aim for?
[8] think.fish factsheet #4 (2024) Wie viel Fisch sollte ich (nicht) essen?

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